Was ist Sport(wissenschaft)?

Sport ist ein allgegenwärtiges und facettenreiches Phänomen unserer Zeit. Ein Phänomen, das jeden Menschen auf irgendeine Weise betrifft. Der Einzelne verspricht sich davon Gesundheit oder auch Selbstverwirklichung, Gesellschaften nutzen ihn zur Gemeinschaftsstiftung oder als kulturelles Symbol und unsere Wirtschaft leiht sich von ihm die Metapher des Wettberbs. Sport ist auch Gegenstand der Wissenschaft. Wissenschaftsdisziplinen, wie die Sportbiomechanik, die Sportmedizin, die Sportphilosophie, Sportpsychologie oder Sportsoziologie, bieten Raum für einen multidisziplinären, vielseitigen und wissenschaftlichen Diskurs. Die besondere Wirkung des Sportes, Menschen zu verbinden sowie das Potential sportwissenschaftlicher Themen fanden und finden noch nicht genug Beachtung in der akademischen Welt. Für uns Runners ist klar, dass Sport mehr ist als nur „Bewegung“ und „Zeitvertreib“.

Deshalb veranstalten wir regelmäßig Seminare in welchen wir Sport und Wissenschaft verbinden und die gesellschaftliche Relevanz von Sport diskutieren und in gemeinsamen Läufen selbst erleben. Rückblicke auf unsere Seminare findet ihr hier:

Warum Sport und Wissenschaft verbinden?

Sport ist ein Phänomen, das in vielerlei Weise sehr präsent ist. Auf individueller Ebene wird immer wieder die Notwendigkeit der körperlichen Betätigung für biologische und psychologische Gesundheit betont. Jeder Mediziner weiß, dass Sport gut tut. Warum genau – und ob dieser Grundsatz immer wahr ist – ist eine Frage, die intensiv zu diskutieren wäre. Zum anderen ist der Sport für jedes Individuum ein Mittel zur Selbstverwirklichung und Identitätsbildung. In ihm wird eine Grundtugend der Menschheit verwirklicht: Die Frage nach den individuellen Grenzen. Doch dürfen diese Grenzen durch jedes Mittel und jede Methode erzwungen werden?

Auf Ebene der Gesellschaft wird Sport die Fähigkeit zugeschrieben, eine starke Integrationskraft zu besitzen. Die Wirkung konnte in Deutschland im Jahre 2006 gut beobachtet werden als die Fußball Weltmeisterschaft der Herren für einen Ausnahmezustand sorgte und nach Meinung vieler Beobachter das Bild unserer Gesellschaft im In- und Ausland nachhaltig beeinflusste. Inwieweit diese Integrationskraft des Sports genutzt werden kann, um in der aktuellen Flüchtlingsproblematik Barrieren zu brechen und Menschen verschiedener Sprachen, Kulturen und Traditionen zusammen zu bringen, ist eine Frage, die es lohnt, diskutiert zu werden. Jedoch kann an den Olympischen Spielen in Russland oder aktuell in der Diskussion um eine WM in Katar, eine andere Seite beobachtet werden. Sport kann auch Spielball politischer Mächte sein. Möchte man das gesellschaftliche Potential des Sports positiv nutzen, dürfen solche Entwicklungen nicht unreflektiert bleiben.

Sport steht in Verbindung mit der Politik, den Medien, der Wirtschaft und den Werten und Normen einer Gesellschaft. Die erwähnten Beispiele zeigen nur wenige der vielen Gründe, warum Sport von solch immenser persönlicher und gesellschaftlicher Relevanz ist, dass sich die wissenschaftliche Beschäftigung mit ihm sehr lohnt. Dies gilt insbesondere für uns Stipendiaten der Studienstiftung.